Geisfeld – Ins Schwarze getroffen hatte MdL Heinrich Rudrof mit seiner Einladung an Jäger, Imker, Biogasanlagenbetreiber und Behördenvertreter der Ämter für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, so Behördenleiter Dr. Andreas Knorr, AELF Bamberg, Behördenleiter Dr. Ernst Heidrich, AELF Bayreuth und Bereichsleiter Forsten des AELF Coburg, Oliver Kröner, um mit ihnen das im Augenblick sehr aktuelle Thema „Energie aus Wildpflanzen- Anbauprojekt mit Zukunft?“ zu diskutieren. Bis auf den letzten Platz besetzt war daher auch der Saal des Landgasthofs Büttel in Geisfeld, als die beiden Fachreferenten Dr. Ingrid Illies und Werner Kuhn, er selbst ist auch Jäger und Landwirt, von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim die zahlreichen fachlichen Facetten des Themas erläuterten.
Wie der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg, Dr. Andreas Knorr, der zusammen mit MdL Heinrich Rudrof die Gäste begrüßte, feststellte, kommt diese Diskussion über Alternativpflanzen zur energetisch sehr attraktiven Maispflanze für Biogasanlagen zum richtigen Zeitpunkt, da das Erneuerbare Energiegesetz (EEG) zum 1. Januar 2012 novelliert werden soll und derzeit Vorschläge zur Ausgestaltung des EU Agrarhaushalts für die Planungsperiode 2013 bis 2020 erörtert werden. Sie lassen eine verstärkte Koppelung ökologischer Komponenten an die landwirtschaftliche Produktion erwarten.
Ausgangspunkt der Diskussion war dabei die Tatsache, dass im Umfeld von größeren, meist nicht von Landwirten betriebenen Biogasanlagen ein überdurchschnittlich hoher Maisanbau vorhanden ist. Diese Monokultur und die damit verbundenen ökologischen Folgen werden zunehmend von der Gesellschaft kritisch gesehen. Ebenso kritisch von den Jägern und Landwirten wegen der auftretenden Schwarzwildschäden, die große Sorgen bereiten. Glücklicherweise, so Dr. Knorr, sei in seinem Amtsbereich, der die Landkreise Bamberg und Forchheim umfasst, eine Massierung des Maisanbaus bei der jetzigen Größenstruktur und Verteilung der Biogasanlagen vermieden worden.
Die beiden Fachreferenten, Dr. Ingrid Illies und Werner Kuhn, berichteten anschaulich über die Zusammenhänge zwischen Attraktivität von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen <s>als</s> Bienenweide und den Erkenntnissen über den Energieertrag aus Wildpflanzen für Biogasanlagen, die vor allem die Jäger unter den Zuhörern interessierte. Die Versuche in Veitshöchheim beweisen, dass Wildpflanzen wie Malve, Rainfarn, Sonnenhut, Flockenblume und Co. die Interessenslagen aller drei Landnutzer - Landwirte, Jäger und Imker - unter einen Hut bringen lassen. Der Gasertrag aus diesem Gemenge ist überraschend hoch: Dabei hätten die Jäger für das Schalenwild (Schwarzwild und Rehe) eine Vegetationsform, die das Äsungs- und Dickungsangebot ohne Schadwirkung deutlich erhöht, und die Imker bekommen ein Wildpflanzengemisch, das auch im Spätsommer Nektar und Pollen liefert.
In der sehr regen und sehr sachlich verlaufenden Diskussion wurden von den Teilnehmern unter anderem Fragen der Erntetechnik, der Silierfähigkeit, der Nutzungsdauer der Gemenge, die Gefährdung durch Lagerung und die Verfügbarkeit von Saatgut diskutiert. Saatgut gäbe es im Augenblick wegen der noch zu geringen Anbauflächen nicht genügend.
Die Zuhörer forderten eine Fortführung und Intensivierung der laufenden Versuche in Veitshöchheim um dieses vielversprechende und neue Anbausystem möglichst schnell praxisreif zu machen. MdL Heinrich Rudrof will diese Projektidee intensiv unterstützen. Hier müssen die sich abzeichnenden neuen Erkenntnisse weiter vertieft und abgesichert werden, damit an der Erfolg versprechenden Erweiterung des Energiepflanzenangebots kein Weg mehr vorbeiführen könne, sind doch die bäuerlich ausgelegten Biogasanlagen ein wichtiges Standbein für den Erhalt einer flächendeckenden Landwirtschaft, Wertschöpfung für den ländlichen Raum, Garant für eine dezentrale Energieversorgung mit entsprechenden Wärmenutzungskonzepten und damit auch ein effektiver Beitrag zur Entschärfung der Klimaproblematik.