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13.11.17
Das Haus der Internetjäger

FT vom 11.11.2017: (Anna Lienhardt)

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern in der Lagarde-Kaserne ist offiziell eingeweiht. Sie ist das erste Projekt, das auf dem ehemaligen US-Areal realisiert wurde. Von hier aus heften sich Ermittler an die Fersen von Internetbeträgern.

Das ehemalige Stabsgebäude in der Lagarde-Kaserne beherbergt die Zentralstelle Cybercrime. Zur feierlichen Einweihung erklärte Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky Gesundheitsministerin Melanie Huml, Justizminister Winfried Bausback, MdL Heinrich Rudrof und Regionalbischöfin Dorothea Greiner (v.l.) die Struktur der Behörde. (Foto: Ronald Rinklef)

Bamberg - Sind sie schon einmal an einen Onlineshop geraten, der Ihnen irgendwann merk­würdig vorkam? Dann sollten Sie diesem Bauchgefühl vertrau­en. Denn Betrüger verdienen zum Beispiel mit falschen Ange­boten im Internet jede Menge Geld.

Mit einer seriös wirkenden Seite etwa, auf der Kaffeema­schinen angeboten werden. Das Gemeine: Anbieter solcher „Fakeshops" (falsche Einkaufs­plattformen) geben Geld dafür aus, bei Google aufgelistet zu werden. Außerdem werden die üblichen, seriösen Bezahloptio­nen angeboten. Allerdings: Möglich ist nur die Funktion „Vorkasse", mit folgender Be­gründung: „Ähnlich wie bei PayPal versuchen Betrüger, bei uns im Shop mit geklauten Kre­ditkarten einzukaufen", ist da zu lesen.

„Wenn Sie dann in Vorkasse gehen, ist das Geld weg", be­richtet Lukas Knorr, Leitender Oberstaatsanwalt bei der Zent­ralstelle Cybercrime Bayern (ZCB). „Im beschriebenen Fall entstand ein Schaden von 400 000 Euro und es gab 1500 Geschädigte." Menschen, die einfach nur eine Kaffeemaschine kaufen wollten.

Offensichtlicher ist ein Be­trugsversuch dagegen, wenn auf einer Internetseite ein hochka­rätiger Reiseführer für 25 Cent angeboten wird.

Zumindest bei diesen beiden Seiten brauchen Nutzer keine Angst mehr haben, übers Ohr gehauen zu werde - die Seiten gibt es nicht mehr, dank der Er­mittler der Zentralstelle. Und das lässt diese die User auch wis­sen: „Die Plattform und der kri­minelle Inhalt wurden beschlag­nahmt   durch   das   Bayerische Landeskriminalamt im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg - Zentralstelle Cybercrime Bayern im Rahmen einer landesweit koordinierten Ope­ration", steht da in einem bild­schirmfüllenden Banner.

2015 ist die ZCB mit zwei Mitarbeitern gestartet, bis zum Herbst 2018 werden es 34 sein. Neben Staatsanwälten werden auch sogenannte IT-Forensiker die Räume im ehemaligen Stabs­gebäude in der Lagarde-Kaserne beziehen, wie Generalstaats­anwalt Thomas Janovsky erläuerte.

Die ungewöhnlich großen Zimmer des historischen Ge­bäudes bieten Platz zu mögli­cherweise noch größerer Entfal­tung. Von hier aus verfolgt wer­den illegale Geschäfte im Netz, beispielsweise Waffenhandel oder Kinderpornographie, doch auch mit Cyberattacken oder Schadsoftware befassen sich die Ermittler. Im Jahr 2016 wurden beispielsweise rund 1500 Ver­fahren eingeleitet.

Bayerns Justizminister Win­fried Bausback (CSU) sprach gar von der „Speerspitze der bayer­ischen Justiz im Kampf gegen die Internetkriminalität" und blickte zurück: Vor 34 Jahren sei in den USA das erste Mal über eine Diskette ein Virus übertra­gen worden. „Heute gibt es 350 000 neue Varianten von Vi­ren täglich!"

Wie wichtig deshalb eine Ein­richtung wie die Cybercrime-Stelle sei, betonte auch die baye­rische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Den Bogen zum Kasernengelände spannte Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD): Es könne keinen besseren Standort für die ZCB geben. "Ich kann mich noch erinnern, als wir zum ersten Mal über das Gelände ge­laufen sind und nach einem gu­ten Platz gesucht haben", sagte er. Seit etwa einem halben Jahr ist die Stadt Bamberg nun Ei­gentümerin der Lagarde-Kaserne, die Zentralstelle Cybercrime ist das erste Projekt, das dort verwirklicht wurde.

Das zukünftige Digitale Gründerzentrum, an dessen Umsetzung derzeit mit Nach­druck gearbeitet wird, wird gleich um die Ecke liegen.